Sattel drückt Trapezmuskel – auslösende Sattelprobleme und mögliche Lösungen

Alle Reiter fürchten den atrophierten Trapezmuskel: wenn dein Pferd in der Sattellage plötzlich ein Loch entwickelt, herrscht oftmals Panik. Viele Reiter wissen nicht genau, woher diese Entwicklung kommt und was am Sattel und beim Reiten verändert werden müsste.

Wenn der Sattel den Trapezmuskel drückt

Was wir heute wissen: zu viel Druck auf dem Trapezmuskel führt zur Atrophie, also der Zurückbildung und damit der für uns sichtbaren Kuhle. Beobachtest du ein Pferd beim Galoppieren, Traben, Schrittgehen und in allen anderen Situationen: beim Springen und in der Biegung – dies auch im Stand: dann wirst du den Trapezmuskel schon gesehen haben, ohne es zu wissen. Der Trapezmuskel verläuft direkt neben dem Widerrist schräg nach hinten oben, diesen Teil, den man in Bewegung sehen kann, liegt genau unter dem Sattel und erfährt oftmals durch falsche Sattelpassform sehr viel Druck.

Das Ende des Trapezmuskels im Rücken ist genau die Stelle, an die dich dein Pferd ohne Sattel hinsetzt. Druck auf dem Trapezmuskel ist für dein Pferd unangenehm bis hin zu stark schmerzhaft, dies besonders am hinteren Ende auf dem Rücken nah an der Wirbelsäule.

In der Bewegung ist der Trapezmuskel seitlich sichtbar, da er sich in der Bewegung dehnt und leicht hervortritt. Dies sowohl zur Seite als auch wenige Centimeter nach oben.

Wenn du an den Sattelkissen deines Sattels entlang fühlst, wirst du ungefähr eine Handbreit nach der Sattelkammer weiche Stellen in den Kissen spüren können. Dies natürlich nur, wenn du den Sattel lange genug reitest. Diese Einbuchtungen kommen von einem sich dehnenden und wieder zurückziehenden Trapezmuskel.

Der Druck auf den Trapezmuskel ist daher äußerst schädlich, bei Problemen in der Sattellage spielen jedoch viele Faktoren eine Rolle. Typische Sattelprobleme kannst du dir auch hier unter unseren beliebtesten Artikeln im Detail ansehen:

Sattel ist am Trapezmuskel zu eng

In der Sattelanpassung wird viel Wert auf die Beweglichkeit der Schulter gelegt, auf genügend Platz neben der Wirbelsäule und auf die Widerristfreiheit. Was den Trapezmuskel betrifft, ist die Sattelindustrie noch nicht so weit gekommen. Betrachtest du einen Sattel von unten – den Kissenkanal – dann drücken fast alle Sättel mit ihrem zu schmalen Kissenkanal genau an diesem Punkt den Trapezmuskel.

Hier siehst du Dubi mit Dressursattel und dazu eingestrichelt ihre Oberlinie. Orange markiert ist der Trapezmuskel, der wie ein Keil von der Schulter aus bis vor den Schwerpunkt des Rückens läuft. An dieser Spitze muss der Kissenkanal ausreichend Platz bieten, zusätzlich dürfen die Ortenden sich nicht in diesen Teil „bohren“, was auch zu Problemen führen kann.

Da der Trapezmuskel sich unter dem Sattel bewegen können muss, um zu funktionieren, ist starrer Druck einer der Auslöser, unter denen der Muskel atrophiert. Folgende Sattelpassformen können zu Problemen am Trapezmuskel führen:

  • Der Kissenkanal ist zu eng und drückt das Ende des Trapezmuskels (hier ist eine schmerzempfindliche Stelle, dies kann Auslöser für Buckeln, Widersetzlichkeit und weitere Probleme sein)
  • Der Sattelschwerpunkt ist falsch: erinnere dich an deinen Sitz ohne Sattel, hier sitzt du auf natürlichem Wege direkt hinter dem Trapezmuskel. Liegt der Schwerpunkt falsch, kann der Trapezmuskel empfindlichen Druck erfahren
  • Der Gurt zieht dir den Sattel an falsche Stellen: musst du deinen Sattel extra „festschnallen“ und brauchst Hilfmittel wie Vorgurt, Schweifriemen oder zusätzliche Gurtstrippen, dann weißt du, dass dein Sattel unbedingt überprüft werden muss. Alle diese Hilfmittel verschlimmern die Situation meistens noch. Ähnlich wie Pflaster an deinem Zeh mit der Blase – funktioniert auch meistens nicht so gut.
  • Ist die Sattelkammer nicht an der Schulterwinkelung orientiert, „klemmt“ das Kopfeisen direkt am Trapezmuskel oder bei zu weit eingestellten Ortenden kann die Kammer auf den Widerrist drücken.

Eine weiche Kissenpolsterung, die dem Trapezmuskel nachgibt, kann hier helfen und auch eine Aussparung an der richtigen Stelle. Wir haben spezielle Trapezmuskelpads entdeckt. Siehst du das Pad zum ersten Mal, wirst du überrascht sein, wie stark dieser Muskel vom Sattel überdeckt wird. Passier hat ein Modell auf dem Markt, die Aussparung gibt dem Trapezmuskel Platz, um sich seitwärts und nach oben zu dehnen und verhindert schädlichen Druck.

Hier* findest du das Trapezmuskelpad. In der Sattelbranche gibt es bereits anatomische Gurte, anatomische Genickstücke und anatomische Sitzflächen extra für Frauen – das Thema Trapezmuskel ist noch nicht so präsent, wie es sein sollte.

Probleme durch Druck auf den Trapezmuskel

Das hintere Ende des Trapezmuskels wird besonders durch enge Vorgurte, Longiergurte und Voltigiergurte schädlich gedrückt. Bei Sätteln wird auf ausreichend Widerrist- und Wirbesäulenfreiheit geachtet, bei diesen Gurten werden diese und der Trapezmuskel oftmals übergangen.

Kann sich der Trapezmuskel nicht bewegen und wird durch den Sattel regelrecht weggequetscht, dann führt dies zu den verschiedensten Problemen:

  • Sattelzwang mit Unmutsäußerungen beim Satteln, Angurten bis hin zum Aufsteigen
  • Widersetzlichkeit unter dem Reiter mit Buckeln, Steigen, Stehenbleiben
  • Fehlende Leistung unter dem Reiter: keine Losgelassenheit, Wegdrücken des Rückens, starke Schiefe, keine Biegung
  • Atrophie des Trapezmuskels durch den Druck

Weitere Informationen zum Thema Sattelzwang haben wir dir in diesem Artikel zusammengestellt: Sattelzwang beim Pferd. Hier wirst du sehen, dass auch vermeintlich normale Verhaltensweisen deines Pferdes schon auf Probleme mit der Sattelpassform aber auch mit den zugehörigen Ausrüstungsgegenständen deuten können. Ein gutes Beispiel ist vermehrtes Schweifschlagen beim Gurten – das ist nicht normal und sollte dich hellhörig werden lassen.

Da auch wir viele gemischte Erfahrungen mit vielen Experten machen mussten, möchten wir alle Reiterinnen ermutigen, sich selbst über die richtige Sattelpassform zu informieren und bieten dir daher weitere Artikel rund um das Thema Sattelanpassung und die typischen Probleme mit dem geliebten Leder:

Rückenmuskulatur stärken und Sattel anpassen lassen

Neben dem Hinzuziehen einer kompetenten Sattlerin oder viel besser einer erfahrenen Pferdeosteopathin, muss der Sattel dringend überprüft werden. Wie bereits geschrieben, könnte dein Pferd durch den vermehrten Druck sogar Schmerzen haben und aus diesem Grund die Verhaltensauffälligkeiten und einen Leistungsabfall zeigen.

Mit gezieltem Rückentraining – gegenenfalls kurze Zeit ganz ohne Sattel – muss dein Pferd wieder eine gesunde Muskulatur aufbauen. Zu den Klassikern im Rückentraining gehören Stangenarbeit, Seitengänge und Bergauf- und Bergabtraining.