Sattelaufbau – vom Kopfeisen bis zum Hinterzwiesel

Ein Pferdesattel besteht aus verschiedenen Teilen, die in einer Sattlerei zusammengebaut werden. Du weißt sicherlich, dass ein Kopfeisen verbaut ist und Wolle deinen Sattel polstert. Aber aus was besteht ein Sattel eigentlich – und vor allem und viel interessanter, wie ist ein Sattel aufgebaut.

Sattelaufbau eines Pferdesattels:

  • Sattelbaum
  • Kopfeisen
  • Sattelkammer
  • Sattelkissen
  • Sattelblätter
  • Schweißblätter
  • Gurtstrupfen
  • Sattelpauschen

Der Sattelbaum

Das Herzstück deines Sattels bildet der sogenannte Sattelbaum. Der Sattelbaum bildet die Grundlage für den Sattelschwung sowie die richtige Winkelung, die später auf deinem Pferd liegen wird.

Bei den meisten Sätteln ist heute ein Kunststoffbaum anstelle eines traditionellen Holz-Stahlfederbaumes verbaut. Der Sattelbaum aus Kunststoff wird gegossen und durch diese Vorfertigung ist diese Art des Sattelbaumes natürlich um einiges günstiger.

Nachteilig an einem Kunststoffbaum ist, dass sich dieser durch den Sattler nicht richtig gut an dein Pferd anpassen lässt, bei dem Holz-Stahlfederbaum kann durch die Nutzung der Verspannung mit Gurten einiges an der Passform noch geändert werden.

So ist es zum Beispiel möglich, dass der Sattler den verstellbaren Baum bis zu einem gewissen Grad anpassen kann und so den Schwerpunkt, in dem sich der Reiter befindet, genau dort hin verschiebt, wo du auch sitzen musst.

Solltest du einen Sattel im Internet kaufen wollen, kannst du gerade bei gebrauchten Sätteln nie genau wissen, ob der Sattelbaum nicht gebrochen ist.

Wenn du einen gebrochenen Sattelbaum in deinem Sattel hast, ist dein Sattel damit nicht mehr nutzbar – reparieren kann man das nicht.

Bei einem Bruch ist die gesamte Stabilität und vorher austarierte Lage auf dem Pferderücken nicht mehr möglich.

Woran merkst du, dass der Sattelbaum gebrochen ist? Versuche Vorder- und Hinterzwiesel zusammenzudrücken.

Bei einem intakten Baum ist das nur sehr gering möglich, bei einem gebrochenen Baum ist das schon bei nur leichtem Druck möglich.

Ein Sattel ohne Sattelbaum – der baumlose Sattel

Vielleicht hast du schon von den baumlosen Sätteln gehört und fragst dich jetzt, wie soll denn das funktionieren ohne Baum.

Wir haben einige Artikel dem baumlosen Sattel gewidmet, die du hier finden kannst.

Dieser Sattel ist durch den fehlenden, starren Sattelbaum flexibler und zu einem gewissen Grad sogar biegsam. Es gibt einige Vor- als auch Nachteile, die diese Sattelart mit sich bringt.

Alle weiteren Merkmale sind fast genauso in einem baumlosen Sattel verbaut, wie in den traditionellen Sätteln mit Sattelbaum.

Wenn dich jetzt auch Reitpads oder Fellsättel interessieren, dann guck dich doch mal in unserer Kategorie Reitpads um. Wir hatten einige Zeit einen Fellsattel und viele gute Erfahrungen.

Das Kopfeisen im Sattel

Beim Reiten lastet ein erheblicher Teil des Gewichtes auf dem vorderen Teil des Sattels. Daher dient das Kopfeisen dazu, das hier auftretende Gewicht auf das Pferd zu verteilen und dabei die Form des Sattelbaumes zu unterstützen.

Das Kopfeisen muss daher senkrecht zum Boden zeigen und weder nach vorne oder nach hinten an der Schulter verlaufen.

Die langen Enden des Kopfeisens werden im Fachjargon auch Ortenden genannt.

Einige Sattelhersteller bieten an, dass du das Kopfeisen des Sattels selbst tauschen kannst. Es gibt für Kopfeisen verschiedene Größen, die von Hersteller zu Hersteller variieren können. Eine Kammerweite ist hier nicht gleich Kammerweite, sieh daher auf den Seiten der Hersteller nach, um die wirklich passende für deinen Sattel zu finden.

Falls du einen gebrauchten Sattel kaufst und dich jetzt fragst, ob das Kopfeisen noch anpassbar ist, kannst du dir hier mehr Infos holen: Kann man jeden Sattel anpassen?

Die Sattelkissen

Zwischen Sattelbaum, Kopfeisen und deinem Pferd polstern die Sattelkissen und tragen sowie verteilen im Idealfall das gesamte Gewicht gleichmäßig auf den Pferderücken.

Traditionell sind Sattelkissen per Hand befüllt – das dauert fast eine ganze Stunde, bis der Sattler lagenweise die Naturwolle in die Sattelkissen eingebracht hat.

Neben Naturwolle werden heute noch viele andere Materialien als Sattelkissenpolsterung verwendet. Wir haben auch schon einen Sattel probegeritten, der nur mit Luft gefüllt war.

Naturwollefüllung hat sehr gute Federungseigenschaften, dies ist bei anderen Füllungen einzeln zu bewerten.

Die Sattelkissen sind mit besonderem Augenmerk zu prüfen, da die Füllung auch Knötchen bilden kann, wenn hier unsachgemäß gearbeitet wird.

Fahre mit der Hand über die Kissen und drücke leicht in die Sattelkissen hinein, wenn sich diese sehr hart und unnachgiebig anfühlen, ist dieser Sattel für dein Pferd sicherlich nicht sehr angenehm zu tragen.

Die Sattelkissen müssen soweit voneinander befestigt werden, dass ein Kissenkanal entsteht, der mindestens einen Abstand von vier Finger von ganz vorne bis ganz hinten aufweist.

Es gibt viele Sättel, die einen schmaleren Kissenkanal haben und dem Pferd Druckstellen an der Wirbelsäule verursachen können. Zum Testen dreht man den Sattel um und fährt mit der Hand ohne Daumen einmal durch den gesamten Kissenkanal.

Sattelkissen – welche Arten gibt es?

Keilkissen sind länger als der eigentliche Sattel geschnitten und verlängern damit die Auflagefläche. Diese Kissenform wird gerne für längere Rücken verwendet, um die volle Auflagefläche für die Verteilung des Gewichtes von Sattel und Reiter auszunutzen.

Bananenkissen sind die Standardkissen, diese hast du sicherlich schon gesehen: Sie sind genauso lang wie der Sattel und folgen dem Schwung des Sattelbaumes. Daher werden sie gerne für kurze Pferderücken und auch gerne für sehr geschwungene Pferderücken eingesetzt.

Vielleicht hast du schon etwas von „Französischen Kissen“ gehört. Diese Sattelkissenform ist kürzer, als die normalen Sattelkissen und meistens an einem in die Kissen eingenähten Knopf zu erkennen. Die echten französischen Kissen sind nicht vollflächig aufgenäht, sondern nur punktuell.

Das hat den Vorteil, dass sich diese an dein Pferd besser anpassen können, beispielsweise in der Biegung. Testen kannst du dies, indem du versuchst, deine Hand unter den Kissen hindurchzuschieben.

Unechte französische Kissen sind vollflächig mit dem Sattel vernäht – genauso wie auch Keil- oder Bananenkissen.

Daneben gibt es noch weitere Sattelkissen, vor allem diejenigen der nicht englischen Sättel.

Die Gurtstrupfen

Am Sattelbaum befestigt werden die Gurtstrupfen. Hier wird der Sattelgurt festgemacht – logischerweise. Idealerweise sind die Gurtstrupfen direkt im Schwerpunkt des Reiters befestigt und sichern den Sattel an diesem Punkt.

Möglich ist auch die Aufhängung am Kopfeisen oder an den Stegen vorne am Sattel. Dadurch wird versucht, den fehlenden Mittelpunkt des Sattels zu kompensieren, bzw. wenn der Sattel kippt oder wippt. Empfehlenswert ist daher eine Gurtung im Mittelpunkt des Sattels, die im Lot angebracht ist.

Wir hatten schon Sättel mit verschiedener Gurtstrupfenwinkelung – und um ehrlich zu sein, war das nur ein Verschleiern, dass dieser Sattel einfach nicht so richtig passen wollte. Stell dir vor, du trägst Einlagen und Blasenpflaster, damit deine Schuhe endlich ruhig sitzen und nicht mehr scheuern.

Im Idealfall hast du mehrere Gurtstrupfen. Benutzen sollte man die am weit von einander entferntesten, damit der Sattel im Gleichgewicht gehalten wird.

Reißt doch mal eine, gibt es noch Ersatz zum Gurten. Gerade, wenn dir das im Gelände passieren sollte, bist du dann doch froh, eine Ersatzstrupfe zu haben!

Die Sattelblätter

Zwischen Sattelkissen und -baum sind die Sattelblätter befestigt. Sie dienen bei konventionellen Sätteln mit zwei übereinanderliegenden Sattelblättern als Schutz gegen das Scheuern der Sattelstrupfen sowie für das Reiterbein als Stabilisation zusammen mit der auf dem Sattelblatt befindlichen Pausche.

Ein Sattel mit einem sogenannten Monoblatt hat nur noch ein einziges Sattelblatt – ihm fehlt das Schweißblatt. Vorteil hierbei ist, dass die Hilfen sehr viel besser ankommen und man als Reiter das Gefühl hat, noch näher am Pferd zu sein. Noch einen Schritt weiter gehen Sättel, die komplett auf die Sattelblätter verzichten.

Dein Sattel – jetzt kein Mysterium mehr!

Sattelbaum, Kissen, Kopfeisen und Gurtstrupfen sind die hauptsächlichen Zutaten, die einen Sattel ausmachen.

Wenn du einen neuen Sattel kaufen möchtest, weißt du jetzt, auf was du nur von der Materialität achten kannst und welche Fragen es wert wären, deinem Sattler zu stellen.

Gerade bei der Füllung der Sattelkissen haben wir schon Sattler gesehen, die auf dem Reitplatz munter mit Stäben im Sattel herumstochern, um so die Wolle dem Pferd schnell anzupassen.

Solche Unterschiede, wie das richtige Einbringen der Wolle, können bei dem kostspieligen Sattelkauf von großer Wichtigkeit sein, damit du es deinem Pferd ermöglichst, so gut wie möglich seine Rückenmuskulatur nutzen zu können und sich aufzuwölben.