Arten von Pferdesätteln

Welche Arten von Pferdesätteln gibt es und wie Unterscheiden sich diese? Wir geben dir hier eine Übersicht der klassischen und auch unbekannten Pferdesattelarten.

Die klassischen vier Sattelarten sind Dressur-, Spring-, Vielseitigkeits- und Westernsattel. Nicht ganz so bekannt sind die Sättel für Gangpferde, Damensättel, Rennsättel oder auch iberische Sättel.

Als wir vor zwanzig Jahren in die Pferdewelt eingestiegen sind, sahen für uns alle Sättel doch ähnlich aus – was natürlich nicht der Fall ist. Dieser Artikel ist daher für alle Interessierten, die die Grundlagen der Pferdesättel kennenlernen möchten.

Eigenschaften eines Dressursattels

Die Dressur, auch die Gymnastizierung des Pferdes genannt, wird mit einem eigenen Sattelmodell durchgeführt. Der Dressursattel ermöglicht es dem Reiter, näher am Pferd zu sitzen und mit den Gewichtshilfen Lektionen abzufragen und diese zu unterstützen. Das klingt ja alles sehr interessant, wendest du jetzt ein, daher einmal die direkten Fakten zum Dressursattel:

  • Tiefer Sitz
  • Langes, gestrecktes Bein
  • Tiefer liegendes Knie
  • langes, gerade geschnittenes Sattelblatt
  • Reiterliche Gewichtshilfen werden erleichtert
  • Schwerpunkt Reiter nah und direkt über dem Pferd

Wer schon einmal in einem Dressursattel gesessen hat, kennt den Sitz im Dressursattel der den Reiter in einem aufrechten Sitz unterstützt. Durch die geraden Pauschen der Sattelblätter liegt das Knie tief und weiter gestreckt und richtet damit den ganzen Reiter auf.

Die Position im Sattel ist für die Aufgabe der Dressurreiterei geeignet, da Sie die klassischen Anforderungen an den Sitz unterstützt: aufrechter Sitz, gestrecktes Bein, Schwerpunkt des Reiters balanciert (im Idealfall) direkt über dem des Pferdes. Dressursättel sind für die Arbeit im Viereck gut geeignet, für längere Ausritte jedoch deutlich zu unbequem, was aus dem gestreckten Sitz herrührt. Dies führt uns zum nächsten Sattel:

Der Springsattel

Wie der Name schon sagt, ein Sattel, der speziell die Anforderungen des Springsportes erfüllt.

Der Reiter sitzt entgegen dem Dressursattel nicht tief im Sattel, dies ist auch nicht notwendig, da im Springsattel hauptsächlich Hindernisse überwunden werden. Dementsprechend kurz werden die Bügel verschnallt, sodass der Reiter die meiste Zeit nicht direkt im Sattel sitzt, sondern im sogenannten Leichten Sitz reitet, der den Pferderücken entlastet und das Pferd in der flüssigen Galoppbewegung und auch über dem Sprung nicht einschränkt.

Da das Gewicht des Reiters mit dem im Springsattel möglichen leichten Sitz weiter über dem Pferd liegt und den Rücken freier Schwingen lässt, ermöglicht dies einerseits dem Pferd eine freiere Bewegung, andererseits bieten sich auch für den Reiter große Vorteile.

Durch den leichten Sitz im Springsattel und den flachen Sitz kann der Reiter zum einen über dem Sprung der Bewegung des Pferdes folgen als auch im Parcours oder auch im Gelände wie ein „blinder Passagier“ auf seinem Pferd sitzen und ähnlich einem Jockey das Gewicht über die Bügel indirekt auf den Rücken verteilen.

Zusammengefasst bietet ein Springsattel folgende Eigenschaften:

  • Flacher Sitz
  • kurz geschnittenes Sattelblatt
  • nach vorne geschnittenes Sattelblatt
  • kurzes, angewinkeltes Reiterbein
  • leichter Sitz über dem Pferd möglich

Wem der Dressur- als auch der Springsattel zu spezifisch sind, für diese gibt es die dritte bekannte Sattelart: der Vielseitigkeitssattel.

Die Kombination: der Vielseitigkeitssattel

Als Kombination zwischen Spring- und Dressursattel fungiert der Vielseitigkeitssattel. Mit diesem Sattel ist es dir möglich Dressur als auch Springen zu können. Und unter uns – unser absoluter Lieblingssattel, dennoch gibt es Kritiker, dazu aber später.

Vielseitigkeitssättel sind als eine Art Hybrid eine Mischung aus den ersten beiden Sättel. Weder ein besonders flacher, noch besonders tiefer Sitz, kein ganz gestrecktes oder ganz angewinkeltes Bein, sodass mit diesem Sattel beinahe alles möglich ist.

Gerade für Reitschulen wird dieser Sattel gerne verwendet, weil er neben der Vielseitigkeit der Nutzung einen guten Halt im Sattel ermöglicht. Entgegen des Dressursattels ist der Sitz im Vielseitigkeitssattel nicht ganz so gestreckt und starr, jedoch auch nicht völlig frei und gestaucht wie im Springsattel.

Kritiker bemängeln gerne, dass der Vielseitigkeitssattel genau diesen Vorteil auch als Nachteil hat. Wenn ich Dressur reite, nehme ich einen Dressursattel und wenn ich springe einen Springsattel. Dabei werden die Anforderungen für die jeweilige Reitart auch abdecken.

Genau für dieses Problem wurden Vielseitigkeitssättel mit Schwerpunkten entwickelt – beim Schwerpunkt Dressur ist das Sattelblatt angelehnt an den normalen Dressursattel etwas gerade und der Sitz gestreckter. Springen ist jedoch auch immer noch möglich. Andersherum genau so, der Schwerpunkt Springen bietet einen etwas flacheren Sitz, Dressur ist dennoch problemlos möglich.

Nichtsdestotrotz ist der Vielseitigkeitssattel der Allrounder und gerade für lange Ausritte am angenehmsten. Wenn ihr bei Vielseitigkeitssättel die Abkürzungen VSD lest, dann wisst ihr ab jetzt, dass diese für Vielseitigkeitssattel Dressur steht. Die Abkürzung VSS steht für Vielseitigkeitssattel Springen.

Vergleich der drei Sattelarten

Untenstehend ein kurzer Überblick über die einzelnen Eigenschaften der Sattelarten:

DressursattelSpringsattelVielseitigkeitssattel
Tiefer SitzFlacher Sitzabhängig vom Schwerpunkt flach – tief möglich
Langes, gestrecktes Sattelblattkurzes, nach vorn geschnittenes Sattelblattnach vorne geschnittenes Sattelblatt
Gewichtshilfen durch nahen Sitz am Pferd möglichLeichter Sitz durch kurze Bügel und Sattelblattform möglichLeichter Sitz als auch Sitz nach am Pferd möglich
Dressurarbeit im ViereckParcoursspringenAlle Disziplinen

Nun folgen die etwas unbekannteren Sattelarten, die in jedem Falle auch sehr interessant sind. Den Anfang macht der Gangpferdesattel, der an einen schon beschriebenen Sattel erinnert.

Der Gangpferdesattel

Diese Sattelform wurde für Gangpferde, wie zum Beispiel Isländer, entwickelt. Der Tölt kann mit diesen Sätteln besser als mit herkömmlichen Sätteln geritten werden. Dies ist jedoch Ansichtssache – wir kennen einige Isländerbesitzer, die mit allen vorher genannten Sattelarten auch sehr gut tölten können und gar keine Unterschiede bei ihren Pferden merken.

Der Gangpferdesattel erinnert zunächst an einen Dressursattel. Vom Aussehen gleichen sich diese: lange und gerade geschnittenes Sattelblatt. Damit ist ein gestreckter Sitz mit tiefem Knie möglich. Lediglich die Sitzfläche ist nicht so tief wie beim klassischen Dressursattel.

Dies ist einer der Unterschiede und wahrscheinlich auch der Grund, warum viele Gangpferdebesitzer auf normale Dressursättel umsteigen. Da wir keine Gangpferde haben können wir dies nicht näher beurteilen.

Der Damensattel

Jeder hat diese Sattelform schon mal gesehen: der seitliche Sitz über dem Pferd. Dabei werden die Beine des Reiters mit zwei Hörnern gehalten. Nachteilig ist an diesem Sattel, dass die Hilfengebung erschwert ist und die vollen Hilfen nicht zum Tragen kommen.

Bei einem Sturz wirkt sich der Sitz zwischen den Hörnern sogar als gefährlich aus, der Reiter könnte darin hängen bleiben. Einer der Gründe warum der Damensattel beim Springen schon lange verboten ist. Bei Vorführungen sieht man Damensättel immer mal wieder. Wir finden es sehr schön anzusehen.

Westernsättel

Diese Sattelart kommt ursprünglich aus der Arbeit beim Viehtrieb. Den Westernsattel macht sein charakteristisches Horn auf dem Sattel aus, was es bei den meisten aber nicht allen Westernsätteln gibt. Hier werden in der Vieharbeit Seile (hier auch Lassos genannt) befestigt, die zum Einfangen von Kälbern aber auch anderen Tieren dienen sollen.

Im Allgemeinen unterscheidet sich der Westernsattel rein optisch sehr von den klassischen Sätteln, die wir dir eben vorgestellt haben. Die Auflagefläche ist sehr viel breiter, das Reitergewicht wird ideal über dem Pferd verteilt.

Das Sattelblatt geht in einen Steigbügel über, bei normalen Sätteln sind diese voneinander getrennt. Das Gewicht von diesen Sätteln ist insgesamt höher als von anderen Sattelarten. Westernsättel sind meist verziert und auch die Reiter tragen eine andere Kleidung zum Reiten als klassische Reiter im Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitsbereich.

Arten von Pferdesätteln – Vielfalt

Das waren die bekanntesten Sattelarten in einem kurzen Durchlauf. Nun kennst du alle bekannten Arten und kannst dir selber ein Bild machen, welcher Sattel es bei deinem Pferd werden könnte. Neben deinen Vorlieben kommt es natürlich auch auf dein Pferd an. Die Passform ist entscheidend und es passt nicht auf jedes Pferd jeder beliebige Sattel. Für genau diese Frage – welcher Sattel passt auf mein Pferd haben wir diesen Blog ins Leben gerufen.

Unter dem Menüpunkt Sattelprobleme findest du zahlreiche Fragestellungen zur Passform für dein Pferd.